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Die ersten 40 Jahre des ARC zu Münster im Rückblick
1960 – 2000

Von Peter Subbe


Ein Bilder in der Galerie Impressionen des ARC
Clubwappen im Clubraum in Münster-Hiltrup

1960: Bootstaufe „Alte Frau“ & „Westfalen“ Der Akademische Ruder-Club zu Münster wurde am 21. Juli 1960 von 13 Mitgliedern gegründet und bestand sofort aus 30 Mitgliedern. Dies waren ausschließlich Studenten, die zuvor Mitglieder in der Akademischen Ruderverbindung Westfalen waren. Dort war es zu Differenzen über den Stil des Verbindungslebens gekommen, in deren Verlauf die Alten Herren des Vorstandes den Studenten der Aktivitas rigoros jede Selbständigkeit beschnitten.
Die Folge war ein Massenaustritt und die Gründung einer neuen Verbindung, deren Zweck nach dem Gründungsprotokoll die Pflege des Rudersports und eines Verbindungslebens in zeitgemäßer Form war.
Der ARC war also zunächst eine studentische Verbindung, nur Studenten, nur Männer, mit Füxen, Burschen, Aktivenzeit, allerdings nie Farben tragend oder gar schlagend. Der erste Vorsitzende war Horst Uhlig, der erste Sprecher der Aktivitas Herbert Brekau.
Der neue Club wurde schnell in den damals noch arbeitenden Akademischen Ruder-Bund aufgenommen, ebenso in alle Dachverbände, in denen wir auch heute noch sind: Stadtsportbund, Nordrhein-Westfälischer und Deutscher Ruder-Verband. Gerudert wurde zuerst mit Booten der damaligen Pädagogischen Akademie in der Scharnhorststraße auf dem Aasee. Das war aber nur von 7 bis 10 Uhr gestattet!

Aber schließlich waren wir ja Studenten! Dann erwarben wir für 60 DM einen alten A-Zweier und tauften ihn auf den Spitznamen des Vorsitzenden "Alte Frau".
Die Uni stellte uns den B-Vierer "Westfalen" zur Verfügung.
Beide Boote durften wir auf dem Platz, wo jetzt das Nissan-Autohaus Lich steht, unter der Laderampe des Kohlenhändlers lagern und an der gleichen Stelle wie heute, aber über das steinige Ufer in den Kanal einsetzen.
Das Renntraining konnten wir zum Teil vom Ruder-Verein Münster aus machen.
Trotz der Schwierigkeiten trainierten ein leichter, ein schwerer und ein Anfänger-Vierer, denn Renntraining mit förmlichen Trainingsversprechen war Pflicht für jeden Aktiven, bei dem dies die Gesundheit zuließ. Schon am 21. Mai 1961 wurde auf der Aasee-Regatta im 2. Jungmann-Vierer der erste Sieg für den ARC zu Münster errungen und auf den Hochschulmeisterschaften erreichte der ARC-Achter den 5. Platz.
Erstes Vereinslokal war die Gaststätte "Lördemann" an der Telgter Straße. Die Atmosphäre in dieser Zeit war so gut, dass trotz der wenig idealen Bedingungen sehr viele junge Semester zum ARC zu Münster stießen und im Sommer die Mitgliederzahl schon auf 50 stieg. Im Oktober 1962 erwarben wir unser erstes neues Boot, den C-Vierer "Balduin", wegen der beschränkten Geldmittel nur in der Riemenausführung, für 2.800,- DM.

Irgendwie hatte Hans Rath in Erfahrung gebracht, dass das alte Gebäude an der Rheinstraße 40, damals unten genutzt von der BP-Bunkerstation und oben von vielen Familien belegt, ein altes städtisches Schülerbootshaus war. Wir erreichten, dass die Universität die alte Bootshalle pachtete, diese wieder herrichtete und einen Steg baute. Im Sommer 1963 zog das Dank der Hilfe der Westfälischen Wilhelms Universität Münster endlich ein Ruderstandort für den ARC zu Münster an der Rheinstraße.
Weil der Tolle Bomberg zu lang war für die Halle, wurde für die Bugspitze ein Durchbruch zum Nachbarkeller geschaffen und die Steine sorgsam aufbewahrt. Er ist noch heute vorhanden, die meisten Steine auch (Bild unten). Institut für Leibesübungen der Universität (heute Hochschulsport) mit seinen Booten ein und gab dem ARC erstmals ordentliche Rudermöglichkeiten.
Seit der Sicherung des Ruderbetriebes wuchs der Akademische Ruder-Club zu Münster beständig, natürlich wie jede Gruppe mit gewissem Auf und Ab. Dennoch nahm der Club eine Entwicklung, mit der man mehr als zufrieden sein konnte.

Dabei vollzog sich - ich möchte fast sagen natürlich und leicht verständlich auf dem Hintergrund der Sechziger-Diskussionen - ein Wandel von der studentischen Verbindung hin zum studentischen Sportverein, später zum allgemeinen Sportverein, der sich nur noch "ARC zu Münster" nennt. Die wichtigsten Stationen auf dem Wege dorthin möchte ich nennen:
1967 setzt sich der ARC zu Münster von den Verbindungen ab. Die Mitgliederversammlung streicht Fux, Bursch, Charge, Verbindung aus der Satzung.

1968 wird von Hans Rath die Ruderriege des Ratsgymnasiums wieder gegründet. Sie wird als selbständige Abteilung neben der Altherrenschaft und der Aktivitas dem ARC angeschlossen.

Ab 1969 werden weibliche Mitglieder gleichberechtigt in die Aktivitas aufgenommen.

1975 wird mit Kirsten Elfert eine Frau erstmals Sprecherin der Aktivitas.

Den letzten Schritt haben wir erst auf der Mitgliederversammlung im Februar des Jahres 2000 vollzogen:

Die Aktivitas für die jüngeren Erwachsenen und die Seniorenschaft für die älteren wurden zu einer Seniorenabteilung zusammengelegt, so dass der Verein wie jeder Sportverein in eine Erwachsenenabteilung und eine selbständige Jugendabteilung gegliedert ist.
Die stetig wachsende Zahl der Mitglieder, insbesondere der vielen ruderwilligen Schüler machten neue Räumlichkeiten erforderlich.
1972 überließ uns die Stadt die ersten Räume im 2. Obergeschoss des alten Schülerboots-hauses an der Rheinstraße.
1973/74 wurde mit Hilfe von Zuschüssen des Landes und der Stadt und sehr viel Eigenarbeit die eigene Bootshalle des Akademischen Ruder-Clubs zu Münster gebaut und schnell mit Booten des ARC und des Ratsgymnasiums gefüllt. Nun musste der Ruderstandort ausgebaut werden. Dies bedeutet vor allem, die weitere Anschaffung von Ruderbooten sicherzustellen.
1976 Bootstaufen am Bootshaus an der Rheinstraße: Geschmückt mit frischen Blumensträußen am Bug, werden die neuen Boote präsentiert und feierlich getauft.
1978 wurde - wieder von Hans Rath - die Ruderriege des Kantgymnasiums Hiltrup gegründet. Wieder musste improvisiert werden:

Der Bauer Bornemann stellte einen alten Schuppen auf der Kanalinsel zur Verfügung. Die Boote wurden mit Rollwagen über Hof und Pferdekoppel geschafft und über ein bisschen verschobene Steine in die alte Fahrt gelassen.

1980 wurde 20jähriges Jubiläum gefeiert. Ruderinteressierte waren stets willkommen.

Angesichts des Ansturms auch auf diese Ruderriege konnte die Stadt überzeugt werden, dass eine Ruderstätte notwendig ist. Im Oktober 1983 konnten eine einfache Bootshalle und ein Steg, aber ohne jegliche Sanitärräume eingeweiht werden. Seitdem hat der ARC zu Münster zwei Ruderstandorte, in Münster Mauritz (Rheinstraße) und in Münster Hiltrup (Hansestraße).
1988 wurde gemeinsam mit dem RV Münster der Münsteraner Regattaverein gegründet.
1990 wurde mit der Stadt der Vertrag geschlossen, der die Nutzung der Räume im alten Schülerbootshaus an der Rheinstraße für mindestens 20 Jahre sicherte. Das 1. Obergeschoss konnte nun zusätzlich zum Clubraum und der Herren-Umkleide mit Wasch- und Duschraum auch entsprechend für die Damen und mit einer Küche eingerichtet werden.
1993 kam in Hiltrup die Ruderriege der Hauptschule (Protektor Bernd Schäfer) hinzu. Für die Vervollständigung des Bootshauses in Hiltrup um Sanitär- und Clubeinrichtungen sowie der Bootshalle bedurfte es äußerst langwieriger und hartnäckiger Anstrengungen. Sie wurden allerdings belohnt.
1995 konnten zusammen mit dem Tauchsportclub Münster mit erheblichen Finanzmitteln der Stadt und des Landes, aber auch eigenem Geld und eigener Arbeit die Bauten begonnen werden.
Im September 1996 zogen wir ins Clubhaus ein, im August 1997 wurde alles offiziell eingeweiht.

Damit hat der ARC sowohl im Norden in Mauritz als auch im Süden in Hiltrup vollständig eingerichtete Ruderstätten. Mit einem Bootspark von über 80 Booten sind dies ideale Voraussetzungen für die Ausübung dieses gesunden und die Gemeinschaft fördernden Sports in unserem Ruder-Club. Und sie werden intensiv genutzt. An Vormittagen von Sportstunden der 7- und 8-Klässler, am Nachmittag von Oberstufenkursen und Schüler-Arbeitsgemeinschaften, am Abend von Wettkampfruderern und erwachsenen Breitensportlern. Jedes Mitglied kann täglich von einem der beiden Bootshäuser aus rudern - und nach getaner Tat im gemütlichen Clubraum zusammensitzen.

Was sonst im ARC los ist, spiegelt sich einmal in den Programmen wieder, die zu Beginn des Sommer- und des Winterhalbjahres erscheinen, und zum anderen in den ARC-Mitteilungen, seit 1976 der ARC-Zeitung, neuerdings auch auf der ARC-Homepage im Internet.

Den meisten Raum nehmen darin die Berichte ein, die von den erlebnisreichen Wanderfahrten der Schüler, der jüngeren und der älteren Ruderer erzählen. In Deutschland gibt es wohl kein Gewässer zwischen Eider und Donau, das nicht von ARClern berudert wurde. Seit der Wiedervereinigung sind besonders die Fahrten in Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen beliebt. Aber auch Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, Frankreich, England, Irland und Holland wurden in Ruderbooten bereist.
Etwas Besonderes sind dabei die Familienfreizeiten und -Wanderfahrten, die ARCler mit Kind und Kegel seit 1990 1985 bei der Qualifikation für Jugend trainiert für Olympia auf der Regattastrecke in Köln-Fülligen regelmäßig machen.
Auch unser Wettkampfrudern hat eine stolze Bilanz. Ich hatte schon berichtet vom Renntraining der Aktivitas in der Gründungszeit. In den folgenden Jahren stellte sich heraus, dass man ohne tägliches Training in keinem Rennen der Männer mehr mithalten kann.
Unsere Studenten sahen sich zu solch einem Zeitaufwand nicht mehr in der Lage.
Ab 1969, also ein Jahr nach der Wiedergründung der Ruderriege Rats tummelten sich die Schüler des Rats, später auch des Kants auf den Regatten Nordrhein-Westfalens und brachten von Anfang an Siege mit nach Hause. Aus der Fülle der Starts und Platzierungen können hier nur die herausragenden Erfolge genannt werden, die wir in unseren Unterlagen und Erinnerungen gefunden haben. Sollte etwas fehlen, so ist dies keine böse Absicht, sondern mangelnde Erinnerung. Hauptsächlich für die zahlreichen eigenen Kinderruderer (10-14 Jahre), dann aber praktisch für alle Vereine aus dem Ruhrgebiet, dem Niederrhein und dem Rheinland richtete der ARC ab 1973 Kinderregatten aus. Die Regattastecken waren 500 m vor dem Bootshaus an der Rheinstraße. Ab 1983 veranstalteten wir die Kinderregatta gemeinsam mit dem Ruderverein Münster von 1882 zusammen mit Landesmeisterschaften der Senioren und Junioren noch einige Jahre auf dem Aasee.

1988 gründeten der RVM und der Akademische Ruder-Club zu Münster den Münsteraner Regattaverein, der von 1991 an regelmäßig im Frühjahr die große DRV-Nachwuchsregatta, veranstaltet. Neben gelegentlichen Landesmeisterschaften und Bundeswettbewerben für die 12 bis 14-jährigern Jungen und Mädchen ermöglicht die Aaseeregatta den ersten Leistungsvergleich des Jahres. Ab 1995 erhalten auch die Breitensportler bei uns Gelegenheit, ihre Kräfte im Wettkampf zu messen. Im Herbst veranstaltet der ARC eine Trimm-Regatta RUDI, "Rund um die Insel", für die Ruderer des ARC und der benachbarten Vereine. Geselligkeit hat immer dazu gehört. Wir schlagen keine Kneipen mehr, aber wir setzen uns zum Stammtisch zusammen oder wissen unsere regelmäßigen Sommer- und Winterfeste zu feiern. 1999 entwarf unser Clubmitglied und Designer Berthold Weitkemper ein neues Logo für den ARC. In zeitgemäßer Form zeigt es einen stark abstrahierten weißen Vierer auf blauem Grund. Die Clubfarben wurden erhalten, Tradition und Innovation verbunden. Das Logo ist unverwechselbar und als Positiv und Negativ einsetzbar. Später entwickelte Berthold Weitkemper noch die Rudereinteiler in den gleichen Farben, wir das neue Logo des ARC.